Archiv für den Tag: 21. Juli 2014

Kritische Analyse von „Dominus Jesus“

Bischof Donald Sanborn

Bischof Donald Sanborn

* von Most Rev. Donald J. Sanborn
* aus Most Holy Trinity Newsletter. Oktober 2000.

Denken Sie, die von der römischen Glaubenskongregation unter Führung von Joseph Ratzinger herausgegebene „Declaratio Dominus Jesus“ bekräftigt, daß die katholische Kirche das „einzige Mittel des Heils“ ist?

Denken Sie noch einmal …

Einführung

Im August 2000 hat der Vatikan ein Dokument unter dem Titel “Dominus Jesus“ herausgegeben, das von der Presse als Verteidigung der traditionellen Lehre gepriesen wurde, wonach die katholische Kirche das einzige Mittel des Heils sei. Der (US-amerikanische) „Wanderer“, getreu der Linie dieser Zeitschrift, alles, was von den Modernisten im Vatikan stammt, für geistig gesund zu erklären, nannte es einen „neuen Syllabus der Irrlehren“. (Der Syllabus der Irrlehren war das von Papst Pius IX. 1864 herausgegebene wundervolle Dokument, womit moderne Irrlehren verurteilt wurden.)

Aber ist dieses Dokument eine wahre Verteidigung des katholischen Glaubens? Nein. Tatsächlich enthält es ausdrückliche Häresien und ist die deutlichste und vollständigste Erläuterung der modernistischen Kirchentheologie bis heute.

Die katholische Lehre über die Kirche

Die katholische Lehre über die Einheit der Kirche

Die katholische Kirche lehrt, daß sie allein die einzige Kirche Christi ist und daß alle anderen Religionen, ob christlich oder nicht, sich der Wahrheit verschließen. Sie sind falsche Religionen. Der hl. Zyprian sagte:

„Es gibt einen Gott und Christus ist einer, und es gibt eine Kirche und einen durch das Wort des Herrn auf den Fels gegründeten Stuhl. Ein anderer Altar kann nicht errichtet werden noch kann eine neue Priesterschaft geschaffen werden außer dem einen Altar und der einen Priesterschaft. Wer auch immer anderswo sammelt, der zerstreut“.

Wer sind die Mitglieder der katholischen Kirche?

Die Kirche lehrt, daß jene Menschen Mitglieder der katholischen Kirche sind, die gültig getauft und von der katholischen Kirche nicht ausgeschlossen worden sind wegen Häresie, Schisma oder Exkommunikation. Papst Pius XII. lehrte in seiner „Enzyklika Mystici Corporis“:

„Den Gliedern der Kirche aber sind in Wahrheit nur jene zuzuzählen, die das Bad der Wiedergeburt empfingen, sich zum wahren Glauben bekennen und sich weder selbst zu ihrem Unsegen vom Zusammenhang des Leibes getrennt haben noch wegen schwerer Verstöße durch die rechtmäßige kirchliche Obrigkeit davon ausgeschlossen worden sind.

Denn – so sagt der Apostel – durch einen Geist wurden wir alle zu einem Leibe getauft, ob Juden oder Heiden, ob Sklaven oder Freie.“ Wie es also in der wahren Gemeinschaft der Christgläubigen nur einen Leib gibt, nur einen Geist, einen Herrn und eine Taufe, so kann es auch nur einen Glauben in ihr geben; und deshalb ist, wer die Kirche zu hören sich weigert, nach dem Gebot des Herrn als Heide und öffentlicher Sünder zu betrachten.

Aus diesem Grund können die, welche im Glauben oder in der Leitung voneinander getrennt sind, nicht in diesem einen Leib und aus seinem einen göttlichen Geist leben.

Daher gibt es in den Augen der römisch-katholischen Kirche, welche die eine, wahre Kirche ist, nur folgende Kategorien von Personen:

  • Katholiken, das heißt diejenigen, die Mitglieder der römischkatholischen Kirche sind;
  • Häretiker, das heißt gültig getaufte Leute, welche die Kirche verlassen haben, weil sie öffentlich falschen Lehren und/oder nichtkatholischen Sekten anhangen;
  • Schismatiker, das heißt gültig getaufte Leute, welche die Kirche verlassen haben, weil sie sich weigern, den Primat des römischen Papstes anzuerkennen, oder Sekten angehören, die dasselbe bekennen;
  • Exkommunizierte, das heißt jene, die durch ein ausdrückliches Exkummunikationsurteil aus der Kirche ausgeschlossen worden sind;
  • Ungläubige, das sind die Nicht-Getauften, die in zwei Unterkategorien zerfallen:
    a) Juden, deren Irrtum des Widerstandes gegen den wahren Messias einen besonderen Namen hat, nämlich Treulosigkeit und
    b) Heiden, das sind Götzendiener und Leute, die überhaupt keine Religion haben.

Der mystische Leib Christi und die römisch-katholische Kirche sind ein und dasselbe

Papst Pius XII. sagte in Mystici Corporis:

„Bei einer Wesenserklärung dieser wahren Kirche Christi, welche die heilige, apostolische, römische Kirche ist, kann nichts Vornehmeres und Vorzüglicheres, nichts Göttlicheres gefunden werden als jener Ausdruck, womit sie als „der mystische Leib Christi“ bezeichnet wird. Dieser Name ergibt sich und erblüht gleichsam aus dem, was in der Heiligen Schrift und in den Schriften der heiligen Väter häufig darüber vorgebracht wird.

Derselbe Heilige Vater verurteilte in der Enzyklika „Humani Generis“ von 1950 die Idee, daß der mystische Leib Christi und die römisch-katholische Kirche nicht ein und dasselbe seien:

„Einige sagen, sie seien nicht an die in unserer Enzyklika von vor einigen Jahren erläuterte Lehre gebunden, die auf den Quellen der Offenbarung gründet und lehrt, daß der mystische Leib Christi und die römisch-katholische Kirche ein und dasselbe sind. Einige verringern die Notwendigkeit, der wahren Kirche anzugehören, um das ewige Heil zu erlangen, zu einer bedeutungslosen Formel.

Der katholische Begriff von Gemeinschaft

Gemeinschaft besteht in einer Beziehung von Glied und Haupt und von Glied zu Glied des mystischen Leibes Christi. Diese Beziehung besteht, weil die Glieder in den mystischen Leib einverleibt sind durch

  • gültige Taufe,
  • das Bekenntnis des katholischen Glaubens und
  • die Unterordnung unter den Papst, die Autorität der katholischen Kirche.

Alle drei Merkmale sind notwendig für die Einverleibung: das Fehlen eines von ihnen bewirkt die Trennung vom mystischen Leib. Mit Ausnahme der Kinder, bei denen nur eine gültige Taufe notwendig ist. Aus diesem Grunde betrachtet die Kirche jene Kinder von Häretikern als Katholiken, die gültig getauft sind, jedoch das Vernunftalter noch nicht erreicht haben. Bei Erreichen des Vernunftalters wird vermutet, daß diese Kinder von Häretikern dieselbe Häresie und denselben Mangel an Unterordnung unter die Obrigkeit bekennen wie ihre Eltern, und betrachtet sie daher dann als außerhalb des mystischen Leibes stehend.

Eine Person ohne eines der Markmale würde sich daher außerhalb der Kirche befinden, da die Gemeinschaft eine notwendige  Wirkung der Einverleibung ist und man nicht einverleibt sein kann, ohne in der Gemeinschaft zu sein. Einfacher gesagt, in Gemeinschaft zu sein bedeutet, in derselben Kirche zu sein wie jedes andere Glied. Es gibt nichts Derartiges wie eine teilweise Gemeinschaft zwischen der römisch-katholischen Kirche und nichtkatholischen Sekten

Zu behaupten es gäbe eine teilweise Gemeinschaft zwischen der römisch-katholischen Kirche und nichtkatholischen Sekten ist offenkundig häretisch, das es unmittelbar der kirchlichen Lehre widerspricht:

Papst Pius IX.: „Diese religiösen Gesellschaften, die unter sich verschieden und von der katholischen Kirche getrennt sind, auch nicht als ein Ganzes genommen, bilden in keiner Weise und sind nicht jene eine, katholische, von Unserem Herrn gegründete und gemachte Kirche, die er zu schaffen wünschte. Des weiteren kann man in keiner Weise sagen, daß diese Gesellschaften Glieder oder Teile derselben Kirche sind, weil sie sichtlich von der Einheit der katholischen Kirche getrennt sind.“

Papst Leo XIII.:

„Jesus Christus hat niemals eine Kirche erdacht oder errichtet, die aus vielen Gemeinschaften bestünde, die zwar durch gewisse gemeinsame Züge zusammengebracht würden, aber untereinander verschieden und nicht durch Bande miteinander verbunden wären, welche die Kirche zu der einen und unteilbaren machen – da wir im Credo klar bekennen:  „Ich glaube an die eine Kirche.

Papst Pius XI.:

„Es ist absurd und lächerlich zu sagen, daß der mystische Leib aus getrennten und unzusammenhängenden Gliedern bestehen könne.

Papst Pius XI.:

„Man entfernt sich von der göttlichen Wahrheit, wenn man sich eine Kirche vorstellt, die weder gesehen noch berührt werden kann, die nur mehr eine geistige wäre, in der zahlreiche christliche Gemeinschaften durch ein unsichtbares Band vereinigt wären, obwohl sie im Glauben getrennt sind.

Es ist notwendig, der römisch-katholischen Kirche anzugehören, um gerettet zu wurden.

Die Kirche lehrt, daß es außerhalb der katholischen Kirche kein Heil gibt. Das ist ein katholisches Dogma, das von allen geglaubt werden muß. Papst Pius IX. nannte es ein notissimum catholicum dogma, das heißt äußerst bekanntes katholisches Dogma und erklärte: „Im Glauben müssen wir festhalten, daß außerhalb der apostolischen, römischen Kirche niemand gerettet werden kann; sie ist die einzige Arche des Heils und jeder, der nicht in sie eintritt, muß in der Flut untergehen“. Singulari Quadam, 1854

Bedeutet „Außerhalb der Kirche kein Heil“, daß jedermann, der sichtbar außerhalb der römisch-katholischen Kirche ist, in die Hölle kommt? Nein! Es bedeutet, daß wer schuldhaft außerhalb der Kirche bleibt, in die Hölle kommt. Jedoch sind jene nicht schuldig, die unüberwindlich unwissend sind, das heißt keine genügende Aufklärung erhalten haben, um die Wahrheit zu erkennen.

Nur Gott ist der letzte Richter darüber, wer in dieser Hinsicht schuldig ist. Wir können jedoch den allgemeinen Grundsatz aussprechen, daß, wenn ein Nichtkatholik erfährt oder ernsthaft vermutet, daß die katholische Kirche die wahre Kirche Christi ist, es jedoch unterläßt nachzuforschen und beizutreten, er auf ewig zur Hölle verdammt würde.

Unsere erste übernatürliche Bewegung hin zu Gott ist vermöge des Glaubens, das heißt indem wir Seine Wahrheit lieben. Wenn wir darin versagen, die Wahrheit zu lieben, können wir Gott nicht schauen. Unser Herr hat gesagt: „Wer aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme“, worauf Pilatus geantwortet hat: „Was ist Wahrheit?“ Wenn wir daher versagen, die als wahr erkannte oder vermutete Wahrheit zu lieben, sind wir verdammt.

Daß jene, die an unüberwindlicher Unkenntnis des katholischen Glaubens leiden, nicht verdammt werden, wird ausdrücklich vom selben Papst Pius IX. gelehrt, der so nachdrücklich erklärt hat, daß es außerhalb der Kirche kein Heil gibt. Er stellte dazu fest:

„Es ist Uns und euch bekannt, daß diejenigen, welche an unüberwindlicher Unkenntnis unserer heiligsten Religion leiden und die, indem sie eifrig das Naturgesetz und seine von Gott in aller Herzen eingeschriebenen Gebote einhalten und bereitwillig sind Gott zu gehorchen, ein ehrliches und aufrechtes Leben führen, durch die wirkende Macht des göttlichen Lichtes und der Gnade das ewige Leben erlangen können, da Gott, der den Verstand, die Seelen, die Gedanken und Gewohnheiten aller Menschen klar erblickt, erforscht und kennt, es aufgrund Seiner Güte und Barmherzigkeit keineswegs zulassen wird, daß jemand mit der ewigen Pein bestraft wird, der nicht einer vorsätzlichen Sünde schuldig ist. Quanto conficiamur moerore, 10. August 1863

Nichtkatholische Sekten sind keineswegs Teil der wahren Kirche Christi

Die Theorie, daß es eine Kirche Christi gibt, die über allen sich als christlich bekennenden Kirchen steht, wurde im 19. Jahrhundert verurteilt. Diese Theorie wurde von den Anglikanern im selben Jahrhundert vorgetragen und ist als „Zweigtheorie“ bekannt. Sie behauptet, daß die „universale Kirche- aus drei Zweigen besteht: den Römisch-Katholischen, den Orthodoxen und den Anglikanern.

Obwohl nicht in Gemeinschaft miteinander, sind sie trotzdem alle Teile der universalen Kirche. Diese Theorie identifiziere die universale Kirche mit dem mystischen Leib Christi, der als solcher keine sichtbare Regierung und daher auch kein sichtbares Haupt hat. Es wird also keine der bestehenden Kirchen in ausschließlicher Weise mit dem mystischen Leib oder der universalen Kirche gleichgesetzt.

Kardinal Mazzella, ein hervorragender Theologe des 19. Jahrhunderts, führte einen Anglikancr namens Litton an, der genau wie Ratzinger klingt: „Die besonderen Kirchen, obwohl getrennt, sind eine einzige wegen der gemeinsamen Beziehung zu der einen, wahren Kirche oder dem mystischen Leib Christi und durch ihre Verbindung mit ihm. CAMILLUS CARD. MAZZELLA, S). De Religione et Ecclesia l’raeleetiones Scholds-tico-dogmatieae, Romae, Forzani et Socii, 1896, S. 340.

Gemäß Kardinal Mazzella behaupten Anglikaner, daß die Einheit der Regierung der katholischen Kirche besser, jedoch keineswegs wesentlich sei und daher fehlen könne, ohne Nachteil für die Kirche. Wenn innerhalb dieser „universalen Kirche“ ein Schisma entsteht, das heißt wenn eine Kirche von einer anderen abfällt wie im Falle der Orthodoxen und der Anglikaner von der römisch-katholischen Kirche, ist nach dieser Ansicht die Trennung nicht gänzlich und vollständig, ja sie ist nicht einmal Trennung von der römisch-katholischen Kirche, insoweit sie wahr ist, sondern nur insoweit sie hinsichtlich Glauben oder Sitten verdorben worden ist.

Daher bleibt nach dieser Theorie eine wesentliche Gemeinschaft in jenen Dingen, die wahr und recht sind, während hinsichtlich angeblich vorhandener Irrlehre, abergläubischem Gottesdienst oder tyrannischer Herrschaft die Gemeinschaft abgelehnt wird.

In Klammern gesagt, diese protestantische Idee der Gemeinschaft in dem, was recht, und nicht in dem, was falsch ist, ist genau die Position der Priesterbruderschaft St. Pius X. gegenüber dem neuen Rom. Sie nimmt gewisse Lehren und Regeln der Neuen Religion an, während sie andere verwirft. Sie ist in Gemeinschaft mit Wojtyla, wenn er wie ein Katholik redet, und nicht in Gemeinschaft mit ihm, wenn er wie ein Nichtkatholik redet.

Die Zweigtheorie wurde von der Kirche verurteilt

Im Jahre 1857 wurde in London eine Gesellschaft mit dem Namen Vereinigung zur Förderung der Einheit in der Christenheit gegründet. 1864 verlautbarte das Hl. Offizium einen Brief, womit den Katholiken verboten wurde, sich daran zu beteiligen. In dem Brief erwähnte Kardinal Patrizi, daß die Mitglieder der Gruppe aufgerufen werden, Gebete zu verrichten und „Messen“ darzubringen zu dem Zwecke, daß die drei „christlichen Gemeinschaften, welche wie sie behaupten, zusammen die katholische Kirche bilden, endlich eines Tages zusammenkommen, um einen Leib zu bilden. Epistola S. Romanae et Universidis Inquisitionis, data die 16. September 1864

Von Gram über den Schlag des Hl. Offiziums überwältigt, schrieben 198 anglikanische Geistliche an Kardinal Patrizi und ersuchten ihn, die Sache noch einmal zu überdenken, da sie ja nichts anderes von Gott erbäten als „die ökumenische Interkommunion, wie sie vor dem Schisma zwischen Osten und Westen bestanden hat.“

Seine Eminenz antwortete am 8. November 1865: „Daher bedauert die Hl. Kongregation [des Hl. Offiziums] zutiefst, daß Ihr denkt, daß jene christlichen Körperschaften, die sich rühmen, sie würden, als ob sie eine Erbschaft des Priestertums und des katholischen Namens hätten, obwohl sie vorn apostolischen Stuhl Petri abgeschnitten und getrennt sind, der wahren Kirche Jesu Christi als Teile angehören. Es gibt keine Meinung, die dem echten Begriff der katholischen Kirche mehr widerspricht. Denn die katholische Kirche ist … jene, die auf einem einzigen Felsen erbaut, sich zu einem zusammenhängenden Körper aufrichtet und durch die Einheit des Glaubens und der Liebe zusammengehalten wird.“

Dieselbe Verurteilung wurde einbezogen in das Schema über die Kirche, das beim I. Vatikanum an die Konzilsväter verteilt wurde:

Es wurde aber nicht darüber abgestimmt, wegen des französisch-preußischen Krieges und der Invasion Garibaldis.

„Wenn jemand sagt, die wahre Kirche sei nicht in sich selbst eine einzige Körperschaft, sondern bestehe aus verschiedenen, ungleichartigen Gesellschaften christlichen Namens und sei unter ihnen ausgestreut, oder verschiedene Gesellschaften, die unter sich im Glaubensbekenntnis uneinig und in der Eucharistiefeier getrennt sind, würden als Glieder oder Teile die eine und universale Kirche Christi bilden, der sei ausgeschlossen.“

Es ist wichtig diese ekklesiologische Häresie (Irrlehre über die Kirche) des II. Vatikanums zu verstehen, denn sie ist die Grundlage von dessen Häresie über die Religionsfreiheit. Kritiker des II. Vatikanums neigen dazu, sich auf die Häresie der Religionsfreiheit zu konzentrieren, aber sie ist nur ein Ausfluß der Häresie über die Kirche, die schwerwiegender ist, weil sie grundlegend ist.

Der hl. Augustinus sagte: „Wir glauben an die heilige Kirche, die tatsächlich katholisch ist. Denn die Häretiker und Schismatiker nennen ihre Gemeinden ebenfalls Kirchen. Aber die Häretiker verletzen den Glauben, indem sie falsch denken, und die Schismatiker reißen sich los von der brüderlichen Nächstenliebe durch ihre gottlose Zwietracht, obwohl sie glauben, was wir glauben. Aus diesem Grund gehören weder die Häretiker zur katholischen Kirche, die Gott liebt, noch die Schismatiker, weil die Kirche ihren Nächsten liebt. De Fide et Symbolo, c. 10

Die Lehre über die Kirche in Dominus Jesus

Dominus Jesus wurde angeblich veröffentlicht, um die Einzigartigkeit der Kirche als Mittel des Heiles zu verteidigen, ja noch grundlegender, um die Rolle Christi als einzigen Mittlers zwischen Gott und Mensch zu verteidigen.

Der erste Teil der Erklärung, Abschnitte 1-15, befaßt sich mit der Einzigkeit Christi als Mittlers. Das meiste davon ist richtig, nichtsdestoweniger wird aber Christi universaler Mittlerschaft in Abschnitt 14 ein tödlicher Schlag versetzt. Am Anfang heißt es:

„Es muß daher fest als Wahrheit des katholischen Glaubens geglaubt werden, daß der universale Heilswille des Einen und Dreieinigen Gottes ein und für allemal im Geheimnis der Menschwerdung, des Todes und der Auferstehung des Sohnes Gottes angeboten und vollendet wird.“

Das klingt katholisch. Dann heißt es jedoch:

„Diesen Glaubensartikel bedenkend, ist die heutige Theologie in ihrem Nachdenken über die Existenz anderer Religionen und anderer religiöser Erfahrungen und über deren Sinn im Heilsplan Gottes aufgefordert zu erforschen, ob und wie die geschichtlichen Gestalten und positiven Elemente dieser Religionen unter den göttlichen Heilsplan fallen können.

Bei diesem Unternehmen hat die theologische Forschung ein weites Arbeitsfeld unter der Leitung des kirchlichen Lehramtes. Das Zweite Vatikanische Konzil hat nämlich festgestellt, die einzige Mittlerschaft des Erlösers schließt nicht aus, sondern ruft vielmehr eine mannigfaltige Zusammenarbeit hervor, die jedoch die Teilnahme an dieser einen Quelle ist.“ Lumen Gentium, Nr. 62

Die „Übersetzung“ dieser Feststellung ist: Andere nichtchristliche Religionen sind Mittel der Erlösung, jedoch müssen sie irgendwie mit Christus als dem einzigen Mittler verbunden sein. Warum sind Ratzinger und Wojtyla so besorgt darum? Weil sie eine einzige universale Religion machen wollen. Dazu braucht es einen einzigen Mittler. Also müssen sie jene Theologen schelten, die sagen, daß Buddha oder Mohammed oder Moses parallele Mittler sind.

Ratzinger zitiert Wojtyla: „Obwohl Formen der Teilnahme an der Mittlerschaft verschiedener Arten und Grade nicht ausgeschlossen sind, erhalten sie Sinn und Wert nur durch Christi eigene Mittlerschaft und können nicht als parallel oder ergänzend zu seiner Mittlerschaft verstanden werden.“

Das ist das Wesentliche an der Sache. Die Eine-Welt-Religion-Vertreter Ratzinger und Wojtyla sind darum besorgt, daß sie nicht imstande sein werden, die ganze Welt zu einer dogmalosen, formlosen Christenheit umzuorganisieren, sondern daß diese neue Religion mit anderen koexistieren müsse. So ist es Aufgabe der Theologen zu zeigen, wie Buddha, Mohammed und Moses als „Mitvermittler“ oder „Untervermittler“ mit Christus vereinbar sind.

In Abschnitt 16 von Dominus Jesus geht Ratzinger zum Thema „Einzigkeit und Einheit der Kirche“ über. Er erklärt: „Daher muß im Zusammenhang mit der Einzigkeit und Universalität der Heilsvermittlung Jesu Christi die Einzigkeit der von ihm gegründeten Kirche fest geglaubt werden als eine Wahrheit des katholischen Glaubens. Genauso wie es nur einen Christus gibt, so existiert ein einziger Leib Christi, eine einzige Braut Christi: „eine einzige katholische und apostolische Kirche.“

Wunderbar, doch jetzt kommen wir zu den entscheidenden Punkten. Es sollen die fragwürdigen Texte einer nach dem anderen geprüft werden.

Text Nr. l:

„Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in [subsistit in] der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“

Qualifikation: Häretisch.

Das Zitat ist unmittelbar aus Lumen Gentium des II. Vatikanums entnommen und stellt die grundlegende Häresie des II. Vatikanum hinsichtlich der Kirche dar. P. Curzio Nitoglia vom Institut Mater Boni Consilii erläuterte den Irrtum dieses Textes in einem in der Zeitschrift Sodalitium erschienenen Artikel:

„Was bedeutet diese Formel tatsächlich? Sie wurde wohlüberlegt ausgewählt, um zu verneinen, daß die einzige Kirche Christi nur die katholische Kirche ist. Subsistit in bedeutet nämlich, daß die Kirche Christi in der katholischen Kirche zu finden ist, jedoch nicht ausschließlich mit der katholischen Kirche identifiziert werden darf.“

„Der Wechsel von est (Pius XII.) zu subsistit: Subsistit in bedeutet „besteht in“. (Gaudium et Spes) hat aus ökumenischen Gründen stattgefunden“, erläutert P. Mucci SJ in Civiltä Cattolica (5. Dezember 1988).

Und P. Louis Bouyer schreibt, „daß man dank dem vom Konzil eingeführten subsistit versucht hat, die Idee der einen Kirche zu verbreiten, auch wenn sie derzeit unter verschiedenen christlichen Kirchen wie unter vielen Zweigen aufgeteilt ist’.“ La Chiesa di Dio corpo di Cristo e tempio dello Spirito (Cittadella, 1971), S. 603

Diese Idee wurde von Johannes Paul II. in Canterbury wieder aufgegriffen. Überdies hielt Kardinal Willebrands am 5. und 8. Mai 1987 einige Vorträge, in denen er behauptete, daß das subsistit das est Pius’ XII. ersetzt. siehe Documentation Catholique, 3. Januar 1988

Während das Konzil im Gange war, setzten sich Bischof Carli, damals Bischof von Segni, und P. Aniceto Fernandez, Ordensgeneral der Dominikaner, energisch für die Korrektur von Lumen Gentium durch den Gebrauch des Wortes „est“ anstelle von >subsistit< ein, um unmißverständlich den katholischen Glauben zu bekräftigen. Doch die ökumenische – oder besser: die häretische – Lösung behielt die Oberhand. P. Congar schrieb:

„Das Problem bleibt, ob Lumen Gentium streng und ausschließlich den mystischen Leib Christi mit der katholischen Kirche identifiziert, wie es Pius XII. in Mystici Corporis getan hat.

Wir müssen das bezweifeln, wenn wir beobachten, daß nicht nur das Eigenschaftswort „römisch, fehlt, sondern daß man auch vermeidet zu sagen, daß nur die Katholiken Mitglieder des mystischen Leibes sind. So heißt es in Gaudium et Spes, daß die Kirche Christi und der Apostel subsistit in, zu finden ist in der katholischen Kirche. Folgerichtig gibt es keine strenge, das heißt ausschließliche, Identifizierung zwischen der Kirche Christi und der Römischen Kirche. Das II. Vatikanum behauptet, daß nichtkatholische Christen Mitglieder des mystischen Leibes und nicht nur auf ihn hingeordnet sind.“

P. Nitoglia fährt fort: „Tatsächlich lehrt Pius XII. in Mystici Corporis, daß die einzige Kirche Christi die katholische Kirche ist  (est). Lumen Gentium dagegen wandelt das est in subsistit,  weil es die Kirche Christi nicht mehr mit der katholischen Kirche identifiziert. Damit sagt man, daß die von Christus gegründete Kirche in der katholischen Kirche existiert, ohne die anderen „getrennten Kirchen“ auszuschließen. Kurz gesagt, der mystische Leib Christi hat eine größere Ausdehnung als die römisch-katholische Kirche.“

Der Irrtum des II. Vatikanum besteht darin, daß es die römisch-katholische Kirche zu einer reinen Organisation reduziert, in der die Kirche Christi verwirklicht ist. Sie ist nur ein Zweig des großen Stammes der Kirche Christi. Aber es gibt davon noch andere Zweige. Diese Kirche wäre danach eine bloße juristische Person, das heißt eine kirchliche Körperschaft mit einer gewissen natürlichen Struktur, regiert durch gewisse natürliche Gesetze, mit einer gewissen natürlichen Einheit. Die Glaubenseinheit wird reduziert auf den Gehorsam gegenüber der „Kirchenordnung“, das heißt auf eine äußerliche Einhaltung der Glaubensregeln des Tages, wodurch die Kirche in Ordnung gehalten wird.<ref>Die Idee kann in der Praxis gesehen werden in der „Disziplinierung rebellischer Theologen“ wie des Hans Küng. Ihnen wird nicht die Mitgliedschaft im mystischen Leib Christi entzogen wegen der freiwilligen und öffentlichen Verneinung oder Bezweiflung von Gott geoffenbarter Wahrheiten, welche ihre Entfernung von der Einheit des Glaubens der katholischen Kirche bewirkt, sondern es wird ihnen vielmehr lediglich gesagt, daß sie in ihren Lehren „nicht in Ordnung sind und nicht als „katholische Theologen“ angesehen werden können. Sie bleiben Mitglieder der Novus-ordo-Kirche, dürfen jedoch nicht als Theologer arbeiten.</ref> Das reduziert den Begriff der Rechtgläubigkeit auf eine rein legalistische Einhaltung der vorherrschenden Tagestheologie. Die mit dem Modernismus Vertrauten erkennen sein häßliches Gesicht in dieser Theorie und Praxis.

Papst Pius XII. verurteilte die Theorie, daß der mystische Leib Christi und die römisch-katholische Kirche nicht ein und dasselbe seien, 1943 in seiner Enzyklika Mystici corporis und wiederholte die Verurteilung 1950 in seiner Enzyklika Humani generis, wie oben bereits zitiert.

Daher ist der Lehre vom „subsistit in“ die Qualifikation häretisch zu erteilen, denn sie widerspricht dem allgemeinen ordentlichen Lehramt der Kirche über das Wesen der Kirche und des mystischen Leibes Christi. Es ist sicher de fide catholica, daß der mystische Leib Christi ausschließlich mit der römisch-katholischen Kirche identisch ist. Es ist sicher häretisch zu behaupten, daß eine häretische oder schismatische Sekte Teil des mystischen Leibes Christi ist. Dazu ist an das, was die Päpste bereits gelehrt haben zu erinnern: Papst Leo XIII. sagte:

„Jesus Christus hat niemals eine Kirche erdacht oder errichtet, die aus vielen Gemeinschaften bestünde, die zwar durch gewisse gemeinsame Züge zusammengebracht würden, aber untereinander verschieden und nicht durch Bande miteinander verbunden wären, welche die Kirche zu der einen und unteilbaren machen – da wir im Credo klar bekennen: „Ich glaube an die eine Kirche.“

Papst Pius XI. sagte: „Es ist absurd und lächerlich zu sagen, daß der mystische Leib aus getrennten und unzusammenhängenden Gliedern bestehen kann.“

Papst Pius XI. sagte auch: „Man entfernt sich von der göttlichen Wahrheit, wenn man sich eine Kirche vorstellt, die weder gesehen noch berührt werden kann, die nur mehr eine geistige wäre, in der zahlreiche christliche Gemeinschaften durch ein unsichtbares Band vereinigt wären, obwohl sie im Glauben getrennt sind.“

Text Nr. 2:

„Daher existiert eine einzige Kirche Christi, die in der katholischen Kirche verwirklicht ist, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen im Verein mit ihm regiert wird. Die Kirchen, die, obwohl nicht in vollkommener Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, mit ihr durch die engsten Bande, das heißt durch die apostolische Sukzession und eine gültige Eucharistiefeier vereinigt bleiben, sind wahre Sonderkirchen“

Qualifikation: Häretisch.

Diese Feststellung ist der logische Schluß aus der vorherigen Feststellung. Er besagt nur, daß die Schismatiker und Häretiker, die von der römisch-katholischen Kirche abgefallen sind, Teile der Kirche Christi bilden. Sie sind andere Zweige. Das ist aus demselben Grund häretisch, wie das „subsistit in“. Es ändert das Wesen der Kirche Christi ganz und gar und macht einen Unterschied zwischen der Kirche Christi und der römisch-katholischen Kirche.

Es sollte hier auch darauf hingewiesen werden, daß die Schismatiker und Häretiker, welche die wahre Kirche Christi, die römisch-katholische Kirche, verlassen haben, überhaupt keine Kirchen sind. Als „Kirchen“ existieren sie überhaupt nicht. Denn wer hat ihnen diese Existenz verliehen? Gott? Bestimmt nicht! Menschen? Ja, Schismatiker und Häretiker. Aber Menschen können nicht „Kirchen“ erzeugen, ebensowenig wie sie aus Eisen Gold machen können. Alles, womit sie aufwarten können, sind falsche Versatzstücke für die wahre Kirche.

Der wahre Ausdruck für diese sogenannten Kirchen wäre Häretikergruppen oder Schismatikergruppen, denn das ist alles, was sie sind. Sie haben kein rechtmäßiges kirchliches Leben, noch eine rechtmäßige kirchliche Verfassung oder Struktur.

Text Nr. 3: „Daher ist die Kirche Christi auch in diesen Kirchen gegenwärtig und wirksam, auch wenn ihnen die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche abgeht, da sie nicht die katholische Lehre über den Primat annehmen, den nach dem Willen Gottes der Bischof von Rom objektiv innehat und über die gesamte Kirche ausübt“ (Nr. 17).

Qualifikation: Häretisch.

Dieser Text zieht in ausdrücklicher Form den Schluß aus dem ursprünglichen Irrtum von Lumen Gentium. Er dehnt die Kirche Christi über die Grenzen der römisch-katholischen Kirche aus und verleiht den nichtkatholischen Sekten Rechtmäßigkeit. Er macht auch die Unterordnung unter den römischen Papst sowie den Glauben an dessen Primat zu einer Nebensache hinsichtlich der Teilhaberschaft an der Kirche Christi. Das ist ausdrückliche Häresie. Die Kirche Christi ist angeblich gegenwärtig und wirksam in diesen „Kirchen“, obwohl sie die Autorität des römischen Papstes ablehnen. Aber das widerspricht der Lehre der römischkatholischen Kirche. Die Kirche lehrt, daß Christus und der Papst eine einzige hierarchische Obrigkeit darstellen.

Papst Pius XII. stellt in Mystici Corporis (Nr. 40) fest:

„Daß Christus und sein Stellvertreter auf Erden nur ein einziges Haupt ausmachen, hat Bonifaz VIII., Unser Vorgänger unvergeßlichen Andenkens, durch das apostolische Schreiben Unam Sanctam feierlich erklärt, und seine Nachfolger haben diese Lehre immerfort wiederholt.“

Daraus folgt, daß diejenigen, welche vom Papst abgeschnitten sind, auch von Christus abgeschnitten sind. Aus diesem Grunde sagte Papst Pius XII.:

„Wie es also in der wahren Gemeinschaft der Christgläubigen nur einen Leib gibt, nur einen Geist, einen Herrn und eine Taufe, so kann es auch nur einen Glauben in ihr geben; und deshalb ist, wer die Kirche zu hören sich weigert, nach dem Gebot des Herrn als Heide und öffentlicher Sünder zu betrachten. Aus diesem Grund können die, welche im Glauben oder in der Leitung voneinander getrennt sind, nicht in diesem einen Leib und aus seinem einen göttlichen Geiste leben.“

Text Nr. 4:

„Andererseits sind die kirchlichen Gemeinschaften, die nicht das gültige Bischofsamt und das echte und vollständige Wesen des eucharistischen Geheimnisses bewahrt haben, keine Kirchen im eigentlichen Sinn,- jene jedoch, die in diesen Gemeinschaften getauft sind, sind durch die Taufe einverleibt in Christus und in einer gewissen, wenn auch unvollkommenen Gemeinschaft mit der Kirche“.

Qualifikation: Häretisch.

Die Feststellung bezieht sich auf die Protestanten. Zum Unterschied von den griechischen Schismatikern und gewissen Altkatholiken, die eine gültige bischöfliche Verfassung und eine gültige Eucharistiefeier aufrecht erhalten haben, können gewisse Protestanten nur auf eine gültige Taufe Anspruch erheben. Daher können sie nicht als „Sonderkirchen“, das heißt Mitgliedskirchen der Kirche Christi, angesehen werden. Trotzdem verleibt die gültige Taufe deren individuelle Mitglieder in Christus ein. Die Protestanten sind daher Mitglieder der Kirche Christi, des mystischen Leibes Christi.

Der einleuchtende Schluß ist, daß ihre Anhänglichkeit an die Häresie in diesen Sekten sie nicht davon ausschließt, in Christus einverleibt zu werden, das heißt Mitglieder des mystischen Leibes Christi zu werden. Aber diese Lehre widerspricht dem, was allgemein durch die Kirche gelehrt wird, und ist deswegen Häresie. Die Kirche lehrt, daß die Wirkung der Taufe, womit wir in Christus einverleibt werden, durch die Anhänglichkeit an die Häresie vernichtet wird.

Wir haben schon die Texte der Päpste Leo XIII. und Pius X. gesehen, welche klarstellen, daß die Anhänglichkeit an denselben Glauben notwendig ist für die Zugehörigkeit zum mystischen Leib Christi.

Text Nr. 5:

„Tatsächlich existieren die Elemente dieser schon gegebenen Kirche zusammengenommen in ihrer Fülle in der katholischen Kirche und ohne diese Fülle in den anderen Gemeinschaften. Deswegen sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften, obwohl wir glauben, daß sie an Mängeln leiden, in keiner Weise ihrer Bedeutung und Wichtigkeit im Geheimnis der Erlösung beraubt worden. Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet“.

Qualifikation: Häretisch.

Die Feststellung ist eine reine Wiederholung vorhergehender Dokumente, wovon eines von Johannes Paul II. und das andere vom II. Vatikanum stammt. Die Feststellung erklärt dreist, daß nichtkatholische Sekten Mittel des Heiles sind und daß sie ihre Wirksamkeit als Mittel des Heils von der katholischen Kirche herleiten. Diese Feststellung steht in unmittelbarem Widerspruch zum Dogma Extra ecclesiam nulla salus. Sie ist daher häretisch.

Weit davon entfernt, Mittel des Heiles zu sein, sind die nichtkatholischen „Kirchen“ Mittel der Verdammung. Denn als nichtkatholische Vereinigungen predigen sie ihren Anhängern Häresie, Schisma und Irrtum, was nur dazu dient, diese von Gott und der wahren Kirche zu trennen. Wenn ihre Anhänger wissentlich und willentlich deren Abweichungen von der Wahrheit folgen, kommen sie in die Hölle.

Nur durch unüberwindliche Unkenntnis ihrer Irrtümer können die Anhänger dieser Vereinigungen von ihren Verbrechen der Häresie und/oder des Schismas entschuldigt werden. In einem solchen Fall können sie ihre Seelen retten trotz der falschen Religion, der sie anhangen. Es darf aber auch nicht geltend gemacht werden, daß diese „Kirchen“, weil sie gültige Sakramente haben, deswegen „Mittel des Heils“ besitzen. Es ist nicht wahr, daß sie sie haben. Es stimmt, daß ein Häretiker oder Schismatiker ein Sakrament gültig gebrauchen kann, jedoch sind diese Sakramente nicht Eigentum dieser Gruppen. Dazu kommt, daß Häretiker und Schismatiker die Sakramente ungesetzlich und daher sündhaft gebrauchen – objektiv gesprochen.

Nur in Fällen äußerster Not (z. B. in Todesgefahr) ermächtigt die Kirche die Spendung einiger ihrer Sakramente durch die Hand von Nichtkatholiken. Kardinal Mazzella sagte:

„Die Sakramente, welche die Häretiker in ihrer Sekte bewahrt haben sind wie eine Beute, die sie der Kirche weggenommen haben, als sie sie verließen, die jedoch der Kirche gehören. Ein flüchtiger Diener kann seines Herrn Geld mitnehmen, ein Soldat kann des Generals Standarte nehmen. Doch gleich wie diese nicht zur Familie oder zur Armee gehören, so gehören die Häretiker nicht zur Kirche.

Text Nr. 6:

„Der Mangel an Einheit zwischen den Christen ist eine Wunde für die Kirche; nicht in dem Sinne, daß sie ihrer Einheit beraubt wird, sondern, „daß er die vollständige Erfüllung ihrer Universalität in der Geschichte behindert“.

Qualifikation: zumindest irrig.

Die Feststellung setzt voraus, daß die Kirche Christi ihre Universalität nicht verwirklichen kann, solange nicht alle „Christen“ unter einer einzigen kirchlichen Organisation wiedervereinigt sind. Das ist falsch. Die katholische Kirche braucht nicht die Wiedervereinigung der Häretiker und Schismatiker, um ihre wesentliche Eigenschaft der Universalität oder Katholizität zu haben. Sie ist vollkommen katholisch oder universal ohne dies. Denn Katholizität bedeutet nur die Verbreitung der Kirche unter allen Völkern und Nationen. Die Tatsache, daß gewisse Völker außerhalb bleiben oder, was noch schlimmer ist, sie verlassen haben, gefährdet keineswegs ihre Universalität.

Auch hat die Kirche niemals gelehrt, daß die ganze Welt sich eines Tages zu ihr bekehren wird. Tatsächlich scheint das Gegenteil wahr zu sein, daß im Fortschreiten der Zeit der Glaube verdunkelt und die Nächstenliebe erkalten wird, bis nur mehr sehr wenige Katholiken in der Welt verbleiben.

Als unser Herr darum betete, daß „alle eins werden-, bezog Er Sich auf die Einheit seiner Kirche und nicht auf die ganze Menschheit. Doch muß daran erinnert werden, daß solche Eine-Welt-Kirche-Vertreter wie Wojtyla und Ratzinger verzweifelt einen Weg auszuhecken versuchen, um jedermann in eine einzige Religion zu bringen.

Die richtige Auslegung dieses Dokuments

Die gegebene Auslegung und Beurteilung ist auch aus anderen Äußerungen sowohl Wojtylas als auch Ratzingers abzuleiten. Heranzuziehen ist zum Beispiel Ratzingers (und Wojtylas) Definition der Kirche Christi in dem Dokument mit dem Titel Brief an die Bischöfe der katholischen Kirche über gewisse Aspekte der als Gemeinschaft verstandenen Kirche (1992):

„Die Kirche Christi, die wir im Credo als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen, ist die universale Kirche, das heißt die weltweite Gemeinschaft der Jünger des Herrn, der gegenwärtig und aktiv ist inmitten der besonderen Merkmale und der Verschiedenheit der Personen, Gruppen, Zeiten und Orte.“

Wo bleibt die Einheit des Glaubens? Wo ist die Unterordnung unter den römischen Papst? Wo wird auch nur die Taufe erwähnt? Diese Elemente sind nicht da, weil sie in Wojtylas und Ratzingers Weltkirche nicht notwendig sind.

Betreffs „Sonderkirchen“, womit die Gruppierungen der Schismatiker und Häretiker einbegriffen sind, sagt Ratzinger im selben Dokument: „Die universale Kirche wird mit allen ihren wesentlichen Elementen in ihnen gegenwärtig“ (§ 8). Der „Kardinal“ entwickelt das Thema der Sonderkirchen, indem er feststellt, daß „die universale Kirche daher der Leib der Kirchen ist“ (das heißt der Sonderkirchen). Er unterstreicht, daß in jeder Sonderkirche „die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche Christi wahrhaft gegenwärtig und aktiv ist“ (§ 9). Im selben Paragraphen fährt er fort und setzt die universale Kirche und die Sonderkirchen gleich:

„Aus der Kirche, die in ihrem Ursprung und in ihren Äußerungen universal ist, sind die verschiedenen örtlichen Kirchen als besonderer Ausdruck der einen, einzigen Kirche Jesu Christi entstanden. Indem sie innerhalb der universalen Kirche und aus ihr heraus entstanden sind, haben sie ihre Kirchlichkeit in ihr und von ihr.“

Woran erkennt man, daß die schismatischen und häretischen Gruppen Sonderkirchen sind? Ratzinger antwortet so: „Die Gemeinschaft besteht besonders mit den orthodoxen Ostkirchen, welche, obwohl vom Stuhle Petri getrennt, mit der katholischen Kirche durch sehr enge Bande, wie die apostolische Sukzession und eine gültige Eucharistiefeier, vereint sind und daher den Titel Sonderkirchen verdienen.“

Er geht so weit zu sagen, daß, wo eine gültige Eucharistiefeier ist, die Kirche Christi vorhanden sei: „In der Tat wird „durch die Feier des Abendmahls des Herrn in jeder dieser Kirchen die Kirche Gottes auferbaut und wächst an Statur“, denn in jeder gültigen Eucharistiefeier wird die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche wahrhaft gegenwärtig.“

Zusammenfassung und Schluß

Ratzingers neues Dokument Dominus Jesus ist nur eine langweilige Wiederholung früherer Dokumente. Da gibt es keine Verurteilung des religiösen Indifferentismus, sondern vielmehr ausdrückliche Erklärungen von Grundsätzen, die selbst religiösen Indifferentismus darstellen. Denn wenn die Kirche Christi mit allen ihren wesentlichen Elementen in häretischen und schismatischen Sekten gegenwärtig ist und diese im Geiste Christi als Mittel des Heiles gebraucht werden, was braucht man noch mehr? Das Einzige, was übrig bleibt, ist der Grad der Vollkommenheit einer Kirche Christi und eines Mittels des Heils. Das genau ist es, was Wojtyla und Ratzinger behaupten: daß die katholische Kirche die Fülle der Wahrheit und der Mittel des Heiles besitzt, während die anderen nur teilweise damit aufwarten können. Der Mangel daran hindert sie jedoch nicht, Glieder der Kirche Christi zu sein.

Mit einer solchen Perspektive sind Ratzinger und Wojtyla imstande zu sagen: „Alle Religionen sind nicht gleich“, weil die katholische Kirche die Fülle hat und die anderen nur Teile haben. Trotzdem sieht er in den schismatischen Gruppen die Kirche Christi und betrachtet sie als Mittel des Heiles. Dazu kommt, daß sogar die Protestanten noch als Mitglieder der Kirche Christi vorgestellt werden, obwohl sie alle dem Schisma und der Häresie anhängen.

Ratzinger und Wojtyla haben also schwerwiegende Irrlehren unter den Schlagzeilen „Konservatismus“ und „Verteidigung der Wahrheit“ veröffentlicht. Die Novus-Ordo-Konservativen nehmen es an. Es ist gerade ein Löffelvoll mehr der löffelweise verfütterten Häresie und Apostasie, die seit den sechziger Jahren verbreitet wird.

Ratzingers Lehre ist häretisch. Sie führt zum Glaubensabfall. Sie wird verabreicht als Vorbereitung auf eine Welteinheitskirche. Mit diesem Dokument haben Ratzinger und Wojtyla der Lehre den Abschied gegeben, wonach sowohl allen katholischen Dogmen zuzustimmen als auch dem Papst untergeordnet zu sein, als wesentliche Bedingungen für die Mitgliedschaft in der Kirche Christi zu gelten haben.