Archiv für den Tag: 9. September 2015

Über die Ukraine – déjà vu

 

Ein Aufsatz von Bischof Donald Sanborn

Am 4. August 2014 hatten wir das 100jährige Jubiläum des Beginns des Ersten Weltkriegs, einen Krieg, wie ihn die Menschheit weder davor, noch danach gesehen hat. Zwar spielte sich der Zweite Weltkrieg an mehr Orten ab, war doch der Erste Weltkrieg brutaler und folgenreicher als der Zweite Weltkrieg.

Es ist erstaunlich, daß wir uns heute, einhundert Jahre später in einer Situation wiederfinden, die derjenigen von 1914 außerordentlich ähnelt. Wieder stehen die Mächte der Welt gegeneinander in einem Konflikt, in welchem es um eine unbedeutende Region geht. Ich möchte in diesem Konflikt nicht Partei ergreifen. Ich möchte lediglich auf einige Besonderheiten hinweisen.

Fakt 1

Eines der Heiligtümer der Vereinigten Staaten ist ein Dokument, in welchem folgendes geschrieben steht:

„Immer dann, wenn eine Form der Regierung sich als zerstörerisch erweist, ist es das Recht der Menschen, diese Form zu verändern oder abzuschaffen und eine neue Regierungsform einzuführen.“

Es handelt sich um die Unabhängigkeitserklärung, die ein falsches Menschenrecht zur Revolution proklamiert.

Hat Obama diese Erklärung gelesen?

Fakt 2

Die Vereinigten Staaten sind eine Nation, die durch einen revolutionären Krieg gegen eine legitime Regierung geboren wurde. Sie wollte unabhängig von dieser Regierung werden.

Fakt 3

Die Vereinigten Staaten sandten [den Freimaurer] Benjamin Franklin nach Paris um den Französischen König dafür zu gewinnen, die separatistischen Rebellen finanziell zu unterstützen. König Ludwig XVI. war dazu sehr großzügig bereit.

Fakt 4

Benjamin Franklin gelang es auch, den König zu einer Kriegserklärung gegen Großbritannien zu bewegen. Frankreich verschiffte Truppen nach Amerika und verhalf den Amerikanern zu ihrer Unabhängigkeit.

Fakt 5

1861 berief sich der Süden der Vereinigten Staaten auf die Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung. Die Staaten des Südens lösten ihre Bindungen zu Washington und gestalteten ihre eigen Republik. Die Soldaten, die damals kämpften, werden heute keinesfalls als Schurken betrachtet, sondern sogar glorifiziert, wie Robert E, Lee.

Fakt 6

Die Südstaaten versuchten auch mit großem Aufwand, England und Frankreich zu bewegen, sich auf ihre Seite zu schlagen. Doch hatten beide Länder genügend gesunden Menschenverstand, sie hielten sich aus dem Krieg heraus und warteten ab, was geschieht.

Angesichts dieser historischen Fakten muß man sich fragen, wie die Vereinigten Staaten ihren eigen Prinzipien treu bleiben können und gleichzeitig die Separatisten in der Ukraine verdammen können? Wenn die Separatisten davon überzeugt sind, daß sie von der Kiewer Regierung unterdrückt werden, haben sie dann nicht – folgt man den US-amerikanischen Prinzipien – das Recht, ihre Unabhängigkeit von dieser Regierung zu erklären? Warum stellt sich unsere Regierung hartnäckig deren Hilfsersuchen an Rußland in den Weg und will verhindern, daß Rußland mit Geld, Waffen oder Militärintervention hilft? Das war es doch, was Amerika 1776 von Frankreich erbat. Die Person, die damals verhandelte, ist seit langem auf der $ 100-Note abgebildet!

Janukowitsch, der prorussische Präsident war ein legitim gewählter und amtierender Präsident eines demokratischen Landes. Obwohl Demokratie eine scheußliche Regierungsform ist, kann sie doch für friedliche Regimewechsel sorgen. Wenn diese friedlichen Regimewechsel eingehalten werden, bleibt die Demokratie stabil. So die Erfahrung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Amerikaner haben stets die Geduld aufgebracht, eine Wahl abzuwarten, um korrupte oder verhaßte Politiker loszuwerden.

Warum also haben die USA einen revolutionären Coup bevorzugt um Janukowitsch einen frei gewählten Präsidenten, los zu werden? Bananenrepubliken verjagen ihre Republiken, nicht seriöse Nationen!

Es waren die Unterstützer der gegenwärtigen Kiewer Regierung, die die Revolutionsfackel in der Ukraine entzündet haben. Wie ein Waldbrand fraßen sich die Flammen in den Osten des Landes. Wenn es den Revolutionären erlaubt war, einen legal regierenden Präsidenten zu stürzen, dann ist es auch den Bewohnern des Landes erlaubt, sich gegen die Revolutionäre zur Wehr zu setzen. Und es sind die Separatisten die den legalen Präsidenten unterstützen, nicht umgekehrt. zzz

Es war die Kiewer Revolutionsregierung, die die russische Sprache in der gesamten Ukraine verboten hat. Die Ostprovinzen sprechen Russisch, die Menschen dort gehören zur Russisch-Orthodoxen Kirche und nicht zu den verschiedenen Ukrainischen Kirchen. Stellen Sie sich vor, die Kanadische Regierung würde die Französische Sprache in ganz Kanada verbieten. Zwar wurde das Verbot zurück genommen, doch der Schaden war geschehen. Kiew hatte Haß gegenüber dem Osten und seiner russischen Kultur losgelassen.

1962 stand die Welt anläßlich der Kuba-Krise am Rand des Atomkriegs. Warum ist die USA heute erstaunt, wenn Rußland keine NATO-Truppen in der Ukraine haben will?

Schottland will sich von England unabhängig erklären. Warum wird dies als rechtmäßig und angebracht beschrieben, wenn man die Ostukrainer für einen derartigen Wunsch als Terroristen unjd Kriminelle beschimpft?

Bürgerkriege sind im inneren Leben der Nationen manchmal unvermeidlich. Die Leidenschaften können dann nur mit Krieg gelöscht werden. Anschließend zeigen sich oft lange Friedensperioden, da die Kontrahenten wissen, daß sie alles getan haben, um ihre Interesen durchzusetzen. Ein Sturm muß sich austoben, damit Friede in der Atmosphäre herrsche. Aus dem Ersten Weltkrieg können wir auch lernen, daß es besser ist, die Ukraine in Ruhe ihre Probleme lösen zu lassen. Hätten die Mächte Europas sich 1914 entschieden, Österreich und Serbien ihre Probleme auskämpfen zu lassen, dann wäre die Auseinandersetzung heut kaum einem mehr bekannt. Es wäre einer von vielen Balkan-Kriegen gewesen.

Triebkraft im Ukraine-Konflikt ist doch vor allem das Verlangen nach der Neuen Weltordnung, die George H. W. Bush vor 25 gefordert hatte. Und dieses Verlangen geht auf die Pariser Vorortverträge nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Es sind die Träume der Linken, man können die Welt nach irgendwelchen materialistischen Prinzipien organisieren und ihrem kindlichen Wahn, eine solche „Ordnung“ würde der Welt beständigen Frieden bringen.

Niemand auf der Welt bezweifelt, daß die Pariser Vorortverträge direkt zum Zweiten Weltkrieg führten und zur Unordnung im Irak. Der heutige Druck des Westens auf Rußland treibt Rußland in die Arme Chinas. Und das bereitet die Bühne für den 3. Weltkrieg – USA mit einem sehr schwachen Westeuropa gegen die beiden militärischen Giganten Rußland und China. Und all dies lediglich wegen eines Sturms im ukrainischen Wasserglas.