Archiv für den Monat: April 2016

Erwiderung an Bischof Williamson bezüglich der Frage der Vakanz des Heiligen Stuhls

Ein Aufsatz von Exzellenz Donald J. Sanborn.

Indefektibilität = Unversehrbarkeit.

universals ordentliches Magisterium= UOM

Einleitung

In seinem Blog „Kyrie Eleison“ veröffentlichte Bischof Williamson vor kurzem einige Essays zur Bekämpfung des Sedisvakantismus. Dies ist ein Dauerthema der FSSPX-Ideologen, neigt doch diese gesamte Organisation zum Sedisvakantismus, was aber um jeden Preis verhindert werden muß. Ich selbst habe bei meinem kürzlichen Englandbesuch so einiges davon mitbekommen.

In diesem Aufsatz möchte ich auf zwei der notorischen Essays aus Williamsons Blog eingehen, Nr. 343 vom 8. Februar 2014 und Nr. 344 vom 14. Februar 2014. Ich möchte betonen, daß ich keine persönliche Auseinandersetzung mit Bischof Williamson habe, auch wenn wir verschiedene Wege gingen.

Ich fasse nun einige seiner Argumente zusammen:

Erstes Argument

EC 343

Bischof Williamson verteidigt hier die Position von Erzbischof Lefebvre. Diese bestand darin, die Novus Ordo-Päpste anzuerkennen, jedoch auszusieben, was an ihren Lehren wahr oder falsch sei. Er gibt zu, daß dieses Verfahren eigentlich Irrglaube bedeutet, daß es jedoch nicht Irrglaube sei, wenn man sich auf das Traditionsprinzip beruft.

Erwiderung

  1. Jeder Häretiker beruft sich auf irgendeine Form der Offenbarung, sei es Schrift oder Tradition, um seinen Auswahlglauben zu begründen. Sich auf die Tradition zu berufen, schützt also nicht vor Irrglaube. Zumindest nicht dann, wenn sie abgekoppelt vom Lehramt erfolgt. Nur das Lehramt ist unfehlbar und steht somit über der Tradition, bzw. es definiert die Tradition.
  2. Die kirchliche Hierarchie ist der Garant der Übereinstimmung von aktueller Lehre und Tradition. Wir können die Hierarchie nicht als Autorität betrachten und gleichzeitig behaupten, ihre Lehre weiche von der Tradition ab.

Wer von der Tradition abweicht, der unterliegt dem Irrtum. Der Begriff der Unfehlbarkeit schließt die Übereinstimmung einer Lehre mit der Tradition ein. Stimmt eine verkündete Lehre nicht mit der Tradition überein, so gibt es nur eine Lösung: Sie wurde nicht von der Autorität verkündet, denn Christus kann nicht hinter dieser Lehre stehen.

Es ist deshalb gottlob nicht notwendig, die Lehren der Kirche nach Irrtümern oder Irrglaube zu durchsieben. Der ganze Sinn der Katholischen Kirche ist es, der Welt die Lehre Christi unfehlbar zu lehren und Jesus Christus gibt ihr beständige Assistenz, genau dies zu tun.

Zudem nimmt das Prinzip des Siebens den angeblichen Päpsten und Bischöfen die Autorität. Derjenige der siebt, meint das letzte Wort bei der Frage zu haben, was katholisch ist und was nicht. So zeigt man, daß man der Novus Ordo Kirche selbst keine Autorität zuschreibt.

Zweites Argument

EC 343

Bischof William zitiert hier die Position der Sedisvakantisten, die Pseudo-Päpste des Zweiten Vatikanums hätten Irrglauben, falsche Ordnungen und Gottesdienste promulgiert. Damit wäre die Unversehrbarkeit der Kirche nicht mehr gegeben – vorausgesetzt allerdings, die Päpste wären echte Päpste gewesen.

Williamson führt nun das abgeschmackte Argument von Papst Liberius aus dem 4. Jh. an, der angeblich einen häretischen Text unterzeichnet habe. Die Unversehrbarkeit habe also damals nicht beim Papst gelegen, sondern beim Heiligen Athanasius, der damals die orthodoxe Position vertreten hat. Analog läge heute die Unversehrbarkeit bei Erzbischof Lefebvre und seinen Anhängern.

Erwiderung

Drei Dinge sind zu erwidern:

1.

Papst Liberius hat gewiß kein häretisches Formular unterzeichnet. Zwiespältig mag es gewesen sein, es ist jedoch orthodox zu interpretieren. Wie auch immer handelte es sich nicht um ein Dokument, dazu bestimmt die ganze Kirche zu lehren.[1] Die falschen Lehren des „2. Vatikanums“ richten sich jedoch an die gesamte Kirche und wurden durch die „Päpste“ und „Bischöfe“ verabschiedet und promulgiert. Dies ist ein essentieller Unterschied, die Analogie ist also falsch.

2.

Unversehrbarkeit kann nicht durch einen einzelnen oder mehrere hergestellt werden. Die Katholische Kirche ist essentiell hierarchisch, niemand kann das was er tut oder lehrt, vom Papsttum oder von der universellen Hierarchie abtrennen. Was die Hierarchie tut, ist zu tun, was sie beeinträchtigt, beeinträchtigt alle.

Die Gabe der Prophezeiung, im Alten Testament die Gewähr der Unfehlbarkeit von Gottes Offenbarung an die Juden wurde im Neuen Testament von Jesus Christus der katholischen Hierarchie übergeben. Es gibt keine „prophetischen Bischöfe“ wie Lefebvre, die die Gabe haben, die Lehre der Hierarchie zu sieben und sich als unfehlbare Autorität aufzuspielen. Die Unfehlbarkeit und Unversehrbarkeit der katholischen Kirche kann nur durch den Papst und die mit ihm gemeinsam lehrenden Bischöfe dargestellt werden.

Sie kann nicht ausgeübt werden von einem oder mehreren Bischöfen, die sich als Korrektoren des Papstes und seiner Hierarchie aufspielen. Eine solche Theorie vertreten heißte die gesamte göttliche Verfassung der Katholischen Kirche ruinieren. Essenz des Katholizismus ist die Hierarchie, die mit dem gleichen Recht lehrt, richtet und heiligt, wie es Christus tat. Wenn die Gläubigen sich für den Gewinn der heiligen Wahrheiten an prophetische Bischöfe und „Whistle blower“ wenden müssen, die sich gegen die Hierarchie wenden, dann ist die Natur und Wesen der R-K Kirche ruiniert. Niemand kann außerhalb oder oberhalb der Römisch-Katholischen Hierarchie über Gott sprechen.

3.

Bischof Williamsons System des Durchsiebens des Lehramts um seine Konformität mit der Tradition zu prüfen, stellt die katholische Glaubensregel auf den Kopf, denn diese ist das Lehramt der Kirche. Sein System ist reiner Protestantismus. Auch diese behaupten, jeder müsse selbst die Bibel interpretieren.

Es gibt unzählige geschichtliche Fälle, in denen der Appell an die Tradition über den Kopf des Lehramts hinweg zu ernsthaften Irrtümern geführt hat. Die Donatisten gingen ins Schisma, weil sie behaupteten, die Sakramente von Apostaten wären ungültig. Die Griechen wurden im 11. Jh. zu Schismatikern, weil sie völlig unzutreffend behaupteten, ungesäuertes Brot führe zu einem ungültigen Sakrament. Sie behaupteten auch, daß der Primat nicht der Tradition entspräche etc.

Auch die Altkatholiken widersprachen der päpstlichen Unfehlbarkeit als nicht traditionell. Selbst die Modernisten behaupteten irrsinniger Weise, sie würden sich auf uralte Traditionen berufen. Die Liturgie“reform“ nach dem 2. Vatikanum operierte mit dem Begriff des liturgischen Archäologismus und lehnten deshalb die „Neuerungen“ des Mittelalters und des Tridentinums ab. Die Feeyenisten behaupten, daß die Blut- und Begierdetaufe nicht traditionell, sondern im 19. Jh. eingeführt worden wären.

Bischof Williamsons Begriff des „Siebens der Tradition“, eine Gebräu von Econe, ist ein potentielles Hornissennest aus Irrglaube und Schisma und führt die traditionellen Katholiken in die übelste Gesellschaft hinein.

Drittes Argument

EC 343

Bischof Williamson konstatiert zu recht: „Das, was die Bischöfe der Welt in Einheit mit dem Papst lehren, ist das gewöhnliche universelle Lehramt[2] (UOM). Es ist unfehlbar.“ Dann trägt er das alte sedisvakantistische Argument vor, das besagt, daß diejenigen, die das 2. Vatikanum promulgiert bzw. unterschrieben haben, keine Päpste und Bischöfe gewesen sein können. … Die Argumente der Sedisvakantisten seien aber falsch.

Erwiderung

Tatsächlich ist Bischof Williamsons Begriff vom UOM falsch. Er stammt aus einer Theorie, die in Econe im Umlauf war, als ich dort weilte. Sie besagt, daß eine Theorie nicht als UOM gelten darf, wenn sie nicht in Übereinstimmung mit der Tradition ist. Nach dieser Theorie wäre es möglich, daß der Papst im Verbund mit allen Bischöfen der Welt Irrglaube lehren könnte. Somit ist diese Theorie selbst Irrglaube.

Nirgend kann die Econe-Idee des Siebens des UOM in Lehrbüchern der Dogmatik, der Theologie oder sonst in der katholischen Lehre gefunden werden. P. Reginald Maria Schulte OP gibt im Jahre 1931 folgende Definition des UOM:

„Das gewöhnliche und universelle Magisterium wird ausgeübt, wenn die Kirche offenbarte Wahrheit predigt, in ihren Schulen lehrt, durch ihre Bischöfe publiziert, sie bezeugt und durch ihre Väter und Theologen erläutert.“ [3]

Sämtliche katholische Theologen stimmen hiermit überein. P. Sylvester Berry schreibt:

„Die gewöhnliche Lehrautorität der Bischöfe üben dies aus in der Belehrung der Gläubigen ihrer Diözese in Publikationen, in Predigten, die sie selbst oder ihre Beauftragten halten und in Katechismen und weiteren Veröffentlichungen.

Wenn die Bischöfe der Kirche bei der Belehrung ihrer Diözesanen einig sind bei der Lehre von Sätzen von Glauben und Moral, dann üben sie gemeinsam die universelle Lehrautorität aus und lehren unfehlbar. … Der Glaube der Kirche ist der Glaube der Bischöfe, die den Lehrkörper der Kirche bilden.“ [4]

Hier noch ein Beweis. Folgendes finden wir in dem dogmatischen Lehrbuch „Theologiæ Dogmaticæ Manuale” von Francis Diekamp von 1917:

„Der einzelne Bischof übt das gewöhnliche Magisterium sowohl in ihren gewöhnlichen religiösen Anordnungen und Anordnungen anderer Art aus.“

Von den Bischöfen herausgegebene liturgische Bücher spielen bei der Darstellung des Dogmas eine große Rolle. In ihnen enthaltene Riten und Gebete bezeugen den katholischen Glauben.

Papst Zölestin I. lehrte: „Betrachten wir zuerst die heiligen Mysterien der Priestergebete, welche von den Aposteln herkommen und in gleicherweise in der ganzen Welt gebetet werden um zu gewährleisten, daß das Gesetz des Gebets das Gesetz des Glaubens darstellt. [5]

Die gemeinsame Lehre der Bischöfe, ebensowenig wie die ex cathedra Lehre des Römischen Oberhirten wird nicht durch die Zustimmung der Kirche unfehlbar, sie ist unfehlbar in sich kraft göttlichen Beistands, der sie vor Irrtum bewahrt. Die vorgelegte Lehre dieser Autoren stimmt mit derjenigen sämtlicher katholischer Theologen überein.

Die Position von Bischof Williamson zum UOM findet sich hingegen weder in einem einzigen Buch eines katholischen Theologen, noch im Lehramt der Kirche. Laut Bischof Williamson[6] müssen die Gläubigen beständig die universelle Lehre der Kirche nach deren Konformität mit der Tradition überprüfen.

Nach seinem Szenario kann die Hierarchie überall Irrglaube lehren und die Unfehlbarkeit und Unversehrbarkeit der Kirche wird erst durch die Reaktion auf diese Lehre hergestellt, wenn die Gläubigen feststellen, daß diese nicht mit der Tradition übereinstimmt. Das ist so absurd wie der Satz „Die Kirche ist immer dann unfehlbar, wenn sie nicht fehlt.“

Das System Williamson verlangt von den Gläubigen ein Urteil, unabhängig davon, ob diese das UOM akzeptieren und auch davon, ob ihre Überzeugung mit der Tradition in Übereinstimmung steht, oder nicht. Der Gläubige muß jedesmal jedes Wort der Kirche sieben, um Wahrheit von Irrtum zu scheiden. Kirche und Papst haben keine Autorität mehr, diese liegt nun beim einzelnen Gläubigen. Und was Bischof Williamson über die Tradition sagt, das trifft auch auf die Schrift zu. Ich könnte vermuten, daß irgendein Akt des kirchlichen Lehramts nicht in Übereinstimmung mit der hl. Schrift ist. Darf ich diesen Akt zurückweisen, auch wenn ich den Papst anerkenne?

Scheußliche Realität ist es, daß Bischof Williamsons Idee exakt dem entspricht, was der Erz-Modernist Hans Küng 1970 in seinem Buch „Unfehlbar?“ ausführt. Hier sagt Küng, daß die kirchliche Unfehlbarkeit nichts mit dogmatischen Definitionen zu tun hat, die können auch falsch sein. Nur die Verpflichtung der Kirche an zur Wahrheit gewährleiste Unfehlbarkeit. Küng schreibt:

„Unfehlbarkeit, Untrüglichkeit in diesem radikalen Sinne, bedeutet ein fundamentales Verharren der Kirche in der Wahrheit, das durch individuelle Irrtümer nicht annulliert werden kann. [7]

Küng zitiert Yves Congar, einen Mit-Erz-Modernisten des Konzils:

„Ein oder der andere Teil der Kirche kann irren, auch die Bischöfe, selbst der Papst, die Kirche kann im Sturme schwanken, am Ende bleibt sie im Glauben.“ [8]

Und diese Aussage Küngs ähnelt derjenigen Williamsons auffällig:

„Wo hat sich denn in dunkler Zeit die Unversehrbarkeit der Kirche wirklich gezeigt? Weder in Hierarchie noch in Theologie, sondern in den zahlreichen und weitgehend unbekannten Christen. Natürlich waren auch Theologen und Bischöfe unter ihnen. Sie hörten in der schlimmsten Periode der Kirche die christliche Botschaft und lebten sie in Glaube, Liebe und Hoffnung. [9]

Küng zitiert die Ostschismatiker um sein Argument zu untermauern:

„Die schismatischen Patriarchen schrieben 1848 an Pius IX.: „Bei uns konnten weder Patriarchen noch Konzilien neue Lehren einführen, denn Wächter der Religion ist der gesamte Kirchenkorpus, das Kirchenvolk selbst.““ [10]

Küng zitiert auch noch den russischen schismatischen Theologen Alexej Khomiakow:

Die irrtumsfreie Wahrheit des christlichen Dogmas beruht nicht auf der Ordnung der Hierarchie, sie wird durch das gesamte Christenvolk gewährleistet, welches der Korpus Christi ist.“ [11]

In den anglikanischen 39 Artikeln lesen wir: „So wie die Kirchen von Jerusalem, Alexandria und Antiochia irrten, so irrte die Kirche Roms, nicht nur in der Liturgie, sondern auch im Glauben.“

Bischof Williamson kann der Übereinstimmung mit den protestantischen Häretikern nicht entkommen, denn wenn er die modernistische Hierarchie als katholische Hierarchie betrachtet, kann er der Schlußfolgerung nicht entkommen „Rom hat geirrt“. Die Sedisvakantisten sagen statt dessen, daß die falschen Lehren und Praktiken des „2. Vatikanums“ nicht von der Römischen Kirche, sondern von einer Gruppe kirchlicher Gangster und Häretiker, die vortäuschten, die katholische Hierarchie zu sein. Die Pflicht eines jeden Katholiken in dieser kirchlichen Krise ist es, die Lügner zu demaskieren und sie als falsche Hierarchie zu verurteilen

Zwar ist es wahr, daß wir jede Aussage an der Tradition messen müssen. Dies geschieht auf ähnliche Weise, wie wir alles, was wir hören an den Grundprinzipien der Vernunft messen und unverzüglich aussondern, was diesen entgegensteht. In unserem Falle, wo die vorgeblich katholische Hierarchie Irrglauben lehrt, falschen Gottesdienst und sündhafte Praktiken anordnet, kommt es darauf an, zu erkennen, daß es sich hier nicht um wahre Päpste und Bischöfe gehandelt hat, die solche Dinge taten.

Die Verwerfung der Wahrheit durch das „2. Vatikanum“ und seine Predigt falscher Lehren, sind ein untrügliches Zeichen dafür, daß Paul VI. kein wahrer Papst war, und niemals ein wahrer Papst war. Jede Autorität jedes allgemeinen Konzils beruht auf einem Papst. Die von mir dargelegte Lehre steht in voller Übereinstimmung mit der hl. Schrift, wo St. Paul schreibt:

„Doch wenn selbst wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündeten, als wir euch verkündet haben, so sei er verflucht! Wie wir schon sagten, so sage ich noch einmal: Wenn jemand euch ein anderes Evangelium verkündet, als ihr empfangen habt, so sei er verflucht![12]

Man beachte, daß er die Galater nicht auffordert, die Predigten nach wahrer Lehre zu sieben, sondern sie auffordert alles komplett zu verwerfen. „Er sei anathema!“ Diese Lehre ist in guter Übereinstimmung mit der Bulle von Papst Paul IV. Cum ex apostolatus aus dem Jahre 1559, die die augenblickliche Entfernung des häretischen Papstes fordert, nicht aber die Durchsiebung seiner Lehren.

Ich fasse zusammen:

Das universelle ordentliche Lehramt (UOM), die Lehre bezüglich Glauben und Moral aller Bischöfe rund um den Erdball, gemeinsam mit dem Römischen Bischof, ist unfehlbar. Diese Lehre [bzgl. der Unfehlbarkeit] wurde auf dem Vatikanischen Konzil von 1870 definiert und im CIC kodifiziert. Es ist bereits häretisch die Lehre des UOM zu bezweifeln.

Wenn ein Widerspruch zwischen Aussagen des UOM und der Lehre der Kirche entsteht, dann kann man nur schlußfolgern, daß derartige Aussagen nicht von der Hierarchie der RKK kommen, denn diese wird von Christus vor derartigen Irrtümern geschützt. Es steht in krassem Widerspruch zur Lehre der Kirche, wenn man das UOM als falsch zurückweist, dieselbe Hierarchie, die dies verabschiedet, jedoch als echte r-k Hierarchie anerkennt.

Bischof Williamsons Begriff vom UOM ist falsch und höchst gefährlich, denn sie suggerieren den Gläubigen, daß die gesamte katholische Kirche, sowie der Römische Oberhirte mit allen Bischöfen in Glaubensfragen irren könnten. Die Prinzipien von Bischof Williamson können niemals den Sedisvakantismus widerlegen, denn diese Prinzipien sind falsch.

Viertes Argument

Nr. 343

Bischof Williamson versucht das Argument der Sedisvakantisten zu entschärfen, welches lautet, die Päpste seit dem 2. Vatikanum seien öffentliche Häretiker, könnten also keine Päpste sein. Seine Antwort lautet, daß die konziliaren Päpste, wenngleich sie objektiv Irrglauben verbreitet hätten, subjektiv nicht der Sünde oder des Verbrechens der Irrglaube schuldig seien, da wir ohne eine Gerichtsverhandlung nicht überprüfen könnten, ob sie sich wirklich bewußt gewesen sind, daß sie der Lehre der Kirche widersprechen.

Erwiderung

Wir müssen klar unterscheiden zwischen Sünde und Verbrechen der Häresie. Die Sünde der Häresie ist ein Akt des Bezweifelns oder Bestreitens einer Wahrheit der Katholischen Kirche, sei es formell oder materiell. …

Häresie ist aber auch das Verbrechen einer Verletzung des Kirchenrechts. Hierfür sind etliche Strafen vorgesehen.[13] Beides, Sünde und Verbrechen der Häresie trennt automatisch von der Katholischen Kirche. Die Moraltheologen haben gezeigt, daß lediglich Unwissenheit formale Häresie entschuldigen kann. Man darf es nicht wissen, daß man einer katholischen Lehre widerspricht, sei es dem ordentlichen. oder dem außerordentlichen Lehramt.

Bischof Williamson versucht nun uns glauben zu machen, daß man bei einem Häretiker Unwissenheit unterstellen muß, bis ein Gerichtshof das Gegenteil beweist. Dabei ist das Gegenteil wahr. Zwar gilt man als unschuldig an einem Verbrechen, solange nicht ein Gericht das Gegenteil entschieden hat, dies trifft jedoch nicht für die persönliche Schuld oder Sünde zu. Wenn das so wäre, bräuchte man zwei Gerichtshöfe für jedes Vergehen, einen um die Tatsachen zu prüfen, einen anderen um aufzuzeigen, daß der Verbrecher wirklich wußte, was er tat. Jede Rechtsprechung geht von formaler Schuld aus, wenn die Tatsache des Verbrechens erwiesen ist. Genauso ist es mit der Sünde. Auch hier muß bewiesen werden, daß jemand schuldlos war aus Unwissenheit etc.

Einige Beispiele:

Bei einem Feuerüberfall in einem Kino in Kolorado im Jahre 2012 bestritt der Anwalt des Mordschützen keinesfalls die Taten desselben. Sie führten an, daß der Schütze in solch schlechter Stimmung gewesen sei, daß sein Geist umnachtet und somit nicht schuldfähig war. Doch das hätten sie beweisen müssen, das Recht spricht zunächst gegen den Täter.

Dann gab es einen berühmten Fall, der sich zufällig in Neuyork in einem Gebäude abgespielt hat, in dem seit langem die FSSPX ihre Messen abhält. Dort hatte eine Frau nächtens ihren Mann erschossen und dann behauptet, sie hätte ihn für einen Einbrecher gehalten. Das mußte sie beweisen, da die Tat des Erschießens nicht bestritten worden war.

Dann gibt es einen Fall aus der Zeit des Bürgerkriegs, wo ein Fall wegen vorübergehender Verrücktheit gewonnen wurde. Jemand kam nach Hause und fand einen fremden Mann bei seiner Frau. Er wurde wütend und erschoß diesen Mann. Vor Gericht führte er an, daß die Aufwallung des Zornes ihn schuldunfähig gemacht habe.

Bischof Williamson versucht uns die Absurdität einzureden, daß die V2-Päpste nicht gewußt haben, was der katholische Glaube ist. Er versucht uns einzureden, daß Benedikt XVI., der öffentlich die Auferstehung der Toten geleugnet hat, nicht wußte, daß die Auferstehung der Toten im Apostolikum, in Nizänum und im Atanasianum steht.

Somit scheitert auch Bischof Williamsons viertes Argument als auf falschen Prinzipien bezüglich der formalen Schuld und der absurden Annahme, die modernistischen Päpste hätten nicht gewußt was der katholische Glaube ist.

Es ist die öffentliche Sünde der Häresie, und nicht das kanonische Verbrechen, die verhindert, daß die päpstliche Autorität übertragen wird.

Erwiderung zu Nr. 344

In dieser Ausgabe finden wir eine Erläuterung der Unfehlbarkeit der Kirche, die von denselben Irrtümern behaftet ist wie die Lehre von Hans Küng, wie oben gezeigt. Sie versucht die Unfehlbarkeit und Unversehrbarkeit von der Hierarchie abzulösen.

Im zweiten Absatz drückt Bischof Williamson klar den katholischen Begriff der Unfehlbarkeit aus. I. W. sagt er, daß Christus der Hierarchie beisteht und sie bei Verkündigung der christlichen Lehre vor Irrtum schützt.

Im dritten Absatz behauptet er aber sodann, daß Gott den freien Willen der Kirchenleute respektiere, diejenigen Kirchenleute, die einen Absatz zuvor noch von Christus vor Irrtum geschützt wurden. Das Ganze ist völlig sinnlos. Die Unfehlbarkeit versucht er zu retten durch die Aussage, daß Gott nicht zulasse, daß die Kirche als Ganze zerstört werde. Dies könne man daran erkennen, daß auch der Klerus des 2. Vatikanums gelegentliche etwas Wahres sage. Die Kirche könne also teilbeschädigt werden, nicht jedoch als Ganze. Anschließend fragt er: „Wie kann man dann noch Wahrheit und Irrtum unterscheiden?“ Antwort: Indem man die Aussagen siebt und so feststellt, was an den Lehren der Zweitvatikaner der katholischen Tradition entspricht.

Sodann wiederholt er die Küng-These, daß die Unfehlbarkeit der Kirche nicht bei der Hierarchie verweilt, sondern bei der Gesamtkirche: „ …“

Hans Küng würde dieser Aussage begeistert beipflichten. Küng sagt:

„Die Kirche ist nicht gleichzusetzen mit der offiziellen Kirche aus Papst und Bischöfen. Es ist die kleine, verborgene Kirche der wahren Gläubigen, die nicht irren kann, da Christus in Übereinstimmung mit einen Zusagen bei ihr bleibt bis an das Ende der Welt. sie ist das „Bollwerk der Wahrheit“. Und so bleibt diese Kirche selbst auch unter einem irrenden und fehlenden Papsttum.“[14]

Bischof Williamson will uns glauben machen, daß die Unfehlbarkeit und Unversehrbarkeit der Kirche im Durchsieben des päpstlichen Lehramts durch die Gläubigen besteht, die dabei die Irrtümer entdecken. Ihnen assistiert also der Heilige Geist, während er bei der lehrenden Kirche, bei der Hierarchie, versagt hat. Die ist völlig unsinnig. Was kann der Beistand des Heiligen Geistes für Papst und Bischöfe bedeuten, wenn er nicht verhindert, daß der Gesamtkirche Irrtümer gelehrt werden. Und wenn dieser Beistand versagt, welche Garantie haben wir für die Wahrheit der Tradition?

Schlußfolgerung

Bischof Williamson leidet unter gravierend falschen Vorstellungen über die Natur des Lehramts, über die Unfehlbarkeit der Kirche, über die Unversehrbarkeit der Kirche, über das Wesen von Sünde und Verbrechen der Häresie, sowie über die Grundlagen von moralischem und allgemeinem Strafrecht. Seine Theorien über das Lehramt führen ihn und seine Anhänger notwendig zu dem Irrglauben, daß das UOM widersprüchlich oder falsch lehren könne.

Bischof Williamsons zentraler Irrtum ist es, daß er Unfehlbarkeit und Unversehrbarkeit der Römisch Katholischen Kirche von der Hierarchie selbiger Kirche trennt und auf das Durchsieben der Gläubigen überträgt. Stärke des sedisvakantistischen Arguments ist es im Gegensatz dazu, daß Unfehlbarkeit und Unversehrbarkeit absolut und exklusiv mit der r-k Hierarchie identifiziert werden. Eine versehrbare Hierarchie ist gar keine Hierarchie.

Bischof Williamson verfehlt auch den größeren Zusammenhang und den Blick auf fundamentale Zusammenhänge: Sind das Zweite Vatikanum und seine Reformen eine substantielle Änderung des katholischen Glaubens, oder sind die Änderungen lediglich akzidentiell? Ist die Religion, die meine örtliche r-k Gemeinde in Einheit mit Papst Franziskus und dem örtlichen NOM-Bischof praktiziert, die katholische Religion? Wenn ich die Religion praktiziere, wie Sie laut Bischof Williamson der Papst und die Bischöfe praktizieren, komme ich dann in den Himmel? Ist diese Religion gottgefällig oder nicht? Ist es die wahre Religion oder eine falsche?

Wenn wir behaupten, daß die neue Religion substantiell dasselbe ist wie der Katholizismus vor dem 2. Vatikanum, die katholische Religion, daß ein Mensch, der sie praktiziert, gerettet wird, wozu brauchen wir dann die Bewegung des Traditionalismus? Den Veränderungen widerstehen, hieße der katholischen Religion widerstehen. Das wäre gleichbedeutend mit der Unterzeichnung des eigenen Todesurteils.

Wenn andererseits, die neue Religion eine substantielle Veränderung des Römischen Katholizismus darstellt, wenn sie nicht die katholische Religion ist, wenn sie Gott mißfällt und einen Pfad zur Hölle darstellt, wie können wir dann sagen, daß sie von einer unfehlbaren und unversehrbaren Kirche promulgiert worden ist?

Bischof Williamson liegt mit seinen Erklärungen voll auf der Econe-Linie und rechtfertigt ihre Maxime „Anerkennen und Widerstehen“ (R&R). Sie anerkennen die NOM-Hierarchie als wahre r-k Hierarchie und widerstehen ihr in nahezu allem. Sie verdammen das Konzil, die Neue Messe, die Neuen Sakramente.

Sie sagen den Leuten, daß sie (möglichst) die Messen der NOM-Hierarchie nicht besuchen sollen. Da diese Haltung mit katholischen Begriffen unmöglich vereinbar ist, hat Econe eine Neu-Theologie entwickelt, die dies alles rechtfertigen soll. Ich kann mich gut daran erinnern, denn ich habe mir all das selbst anhören müssen. Ich habe selbst Erzbischof Lefebvre in einer Konferenz sagen hören: „Das Lehramt des 2. Vatikanums ist lediglich das gewöhnliche Lehramt, welches nicht unfehlbar ist.“ Damals glaubte Lefebvre, erst später fand ich heraus, daß dies ein sehr schwerwiegender Irrtum ist, ja eine Häresie. Ebenso war es Erzbischof Lefebvre, der die Analogie und das Wort vom Durchsieben des Lehramtes und der Disziplin der NOM-Hierarchie gebrauchte um zu unterscheiden, was katholisch ist und was modernistisch.

Econes Theologie entkleidet die Katholische Hierarchie der Unfehlbarkeit und der Unversehrbarkeit und verwandelt die lehrende Kirche in eine glaubende oder gläubige Kirche. Das ist eine Protestantisierung der Kirche, in welcher der einzelne Gläubige geisterfüllt werden muß, um die Wahrheit zu erkennen.

Die katholische Lehre ist die lehrende Kirche, die Römisch Katholische Hierarchie ist der unfehlbare Bewahrer der Tradition, die sie unfehlbar der gesamten Kirche mitteilt. Wäre das nicht so, gäbe es keine Tradition, an der man das 2. Vatikanum und seine Reformen messen könnte.

Beide – Bischof Williamson und Hans Küng – gehen Seit an Seit bei der Abtrennung von Schutz und Wacht der Tradition von der Hierarchie der r-k Kirche. Obwohl Bischof Williamson sicherlich nichts zu tun haben will mit Häresie, wurde er doch durch die Econe-Theologie zum Nachbarn von Hans Küng.

 

[1]     Also keine Enzyklika o. ä.

[2]     Universelles Ordentliches Magisterium (UOM)

[3]     Schultes, Reginald-Maria, de Ecclesia Catholica Prælectiones Apologeticæ, (Paris: Lethielleux, 1931), p. 355

[4]     Berry, Sylvester, D.D., The Church of Christ, (Saint Louis: B. Herder, 1927) pp. 466-467

[5]     Epist. 21, 11

[6]     (und FSSPX)

[7]     Küng, Hans, Infallibility? An Inquiry, (Garden City, New York: Doubleday, 1971), p. 181

[8]     ibid., page 183

[9]     ibid., page 189

[10]   Quoted ibid., page 200

[11]   quoted ibid., page 201

[12]   Galater 1, 8-9; zit. nach Hamp/Stenzel/Kürzinger

[13]   Von P. Cekada gibt es einen exzellenten Artikel über Sünde und Verbrechen der Häresie, zu finden bei www.traditionalmass.org

[14]   Küng, op.cit., p. 195